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13. Oktober 2010

Die wow-Gesellschaft

Hier gehts nicht um wow als Spiel. Sondern als Treffpunkt, nenn es Gesellschaft.

Keiner kann die andern rumkommandieren oder bestrafen. Jeder kann jeden Blödsinn schreiben, der ihm einfällt. Lehrer, Eltern, Polizei? Alles nicht existent. Ein echter Traum für junge Männer.

Konflikte werden durch Kampf ausgetragen. Kompromisse nach langatmigen und zähen Verhandlungen wie im echten Leben gibts nicht. Zusammenleben aushandeln ist nicht nötig. Ein echter Traum für junge Männer.

Du musst nicht einflussreich sein oder hochqualifiziert. Du musst nur mit einer Gruppe zusammen ein garantiert erreichbares und klar vorgegebenes Ziel erreichen, und schon bist du ganz oben in der Gesellschaft deines Servers. Ein echter Traum für junge Männer.

Und darum spieln sies auch, die jungen Männer.

23. November 2009

Namen für Klassenfähigkeiten

Paladine beutzen Richturteile, Schurken Kaltblütigkeit und fiese Tricks, Druiden Wurzeln und Nachwachsen, Magier Feuerball und Verwandlung, Hexer Flüche und Beschwörungen, Krieger Klingensturm und heldenhaften Stoss... Jede Klasse hat ihre typischen Namen für Fähigkeiten und Talente, obwohl es eigentlich bei allen Klassen um dasselbe geht. Zum Beispiel der Effekt "Unbeweglich": Beim Druiden: Wurzeln, beim Magier: Frostnova, beim DK: Eisketten, beim Krieger: verbesserte Kniesehne.
wow-Spieler tun immer sehr abgebrüht - RP ist da fast unmöglich. Warum trotzdem die Namen mit so starkem Beiklang, warum die Herr-der-Ringe-ähnlichen Bezeichnungen? Einfacher wäre:
Schurken-Bleed, Feral-Bleed, Krieger-Bleed, oder Hexer-Fear, Priester-Fear, Krieger-Fear.

Gefällt den Spielern eben doch - auch wenn sie alle so waahnsinnig abgebrüht sind im chat mit omg ltp. Aber um selbst zu der Atmosphäre beizutragen, dazu sind sie zu passive Konsumenten.

18. September 2007

Archetypen: die Prinzessin vom Drachen befreien

Warum Fantasyspiele wie wow erfolgreicher sind als...hm...Westernspiele, Wikingerspiele, Renaissancespiele...und viele andere?
Die Geschichten in Fantasyspielen haben Themen, die zu unseren Bedürfnissen passen:

  1. Die Natur im Spiel ist unberührt, jungfräulich, allmächtig, ehrfurchtgebietend, vielfältig. Weil in der Realität die Natur schwer zu finden ist. Meistens gut versteckt unter einem Strassenbelag, hinter einem Zaun gehegt, oder auch durch Minen, Deponien, Häuser u.s.w. verbraucht. In wow dagegen ist nicht mal ein Mülleimer nötig.
  2. Alles ist durchdrungen von Zauberei, es gibt alle Arten von Zauberkundigen: Magier, Hexenmeister, Priester, Druiden, Paladine. In der Wirklichkeit dagegen ist alles, was wir uns vorstellen können, von Spezialisten untersucht und erklärt. Geheimnisse? I wo. Rätsel? Nicht für uns. Natürlich sieht das für die Spezialisten selbst anders aus, aber das ist ein anderes Thema. Für den Laien kann der Spezialist in seinem Fachgebiet alle Fragen so beantworten, dass dem Laien schwindelig wird.

Und dann gibt es noch ein Thema, das die Fantasyspiele mit anderen Spielen teilen: Kampf. In der Realität der westlichen Gesellschaften hat der Kampf auf Leben und Tod (zum Glück) fast keinen Platz. Faszinierend ist er trotzdem. Darum gibt es soviele Spiele um den Kampf. In einer wilden, ungeregelten Welt gäbe es wohl mehr Spiele, in denen das Ziel ist, eine gesellschaftliche Ordnung aufzubauen und zu erhalten oder darin zu leben.

Ein Spiel, das einfach nur die Realität abbildet, ohne vernachlässigte Bedürfnisse zu befriedigen - klingt nicht besonders spannend. Die Sims kommen dem vielleicht nahe, aber es gibt (auch bei den Sims, glaube ich) einen wichtigen Unterschied zur Realität:

Man kann nichts verlieren. Wenn man sich an die Regeln hält, wird man nicht seine Wohnung, seine Partnerin, seine Arbeit verlieren. Da draussen, in der echten Welt, gibt es keine Garantien, und wir machen uns Sorgen über die Auflösung des Mittelstands in einer durchlässigen Gesellschaft.

5. September 2007

Flamewars

Schon erstaunlich, wie unmöglich es ist, in den deutschen Blizzardforen einen rein konstruktiven thread zu finden. Da kann jemand noch so freundlich erzählen/fragen/vorschlagen: egal was. Ein paar posts geht das gut. Dann crasht ein Troll rein. Zuerst versuchen noch die meisten, ihn zu ignorieren - aber eben nicht alle. Das Endergebnis ist immer gleich: l2p, stfu, diaf. Nett...
Okay, vielleicht sind pubertierende Jungs nicht das geeignete Forenpublikum. Aber wofür ausser für dumme Witze und Gemecker sind pubertierende Jungs schon geeignet? anyone? nicht? tja, mir fällt auch nix ein. Jedenfalls: wenn Blizzard die Foren nicht während langen Monaten komplett sich selbst überlassen hätte, hätte das ganze anders aussehen können. Trollen bringt eben 100 x mehr Aufmerksamkeit/Zeile als normal posten. Schade, ich fänd echte Foren besser.

Die britischen wow-Foren sind übrigens angenehmer.

17. August 2007

Blizzard: macht besseres Rollenspiel möglich!

Hier darf ich ja, anders als in den Foren von World of Warcraft, den Namen der Firma erwähnen...
Blizzard sieht Rollenspiel einfach als nervigen Nebenschauplatz zum eigentlichen Spiel, dem Sammeln von Ausrüstung, an. Schade, denn es wäre gar nicht soo aufwendig, mehr daraus zu machen:

1. emotes sollten sich nicht nur auf einen selbst beziehen dürfen. Im Moment fängt jedes emote mit dem Namen des Trägers an. "XY lacht". "XY erzählt einen Witz". Was auch immer. Dadurch kann man keine Atmosphäre schaffen. Viel besser wäre, wenn man schreiben könnte:
"Der Regen trommelt auf XY's klatschnasse Kapuze". "Ein Luftstoss lässt die Flammen der Fackeln an den Wänden zittern."
Ohne diese Möglichkeit wird das Rollenspiel in wow immer seltsam flach bleiben. Ich weiss, wahrscheinlich werden die meisten pvp-roxxor schreiben: "Z ist ein noob". Aber das Risiko sollte man in Kauf nehmen.

2. Jeder Spieler sollte Zusatzinformationen über den Charakter geben können. Flag-RSP reicht nicht, weil es nur wenige nutzen. Es bring viel mehr Atmosphäre, wenn man weiss, dass vor einem nicht Druide Nr. 204 steht, sondern ein Druide mit einem Umhang voller Erdflecken und einer soliden, oft geflickten Lederrüstung. Oder ein Druide mit perfekt gestutztem, duftemdem Bart und viel Schmuck.
Einmal bei der Vorbereitung eines Schlachtzugs fragte die Schlachtzugsleiterin, eine Kriegerin: "Noch Fragen?". Ich meldete mich: "Was ist das für eine Blume, die Ihr im Haar tragt?" Sowas nettes wird erst möglich durch die Zusatzinformationen: dass sie eben eine Blume im Haar trägt.
Und ja, ich weiss, es wird eine menge "wunderschöne Elfen mit fliessenden, langen Haaren und geschmeidigem, katzenhaftem Gang" und "finster blickende Hexenmeister mit dämonischem, irrem Grinsen" geben. Das ist es mir wert.

16. August 2007

Rollenspiel: grosse Momente

Wow spielt man vielleicht aus 2 Hauptgründen: Eintauchen in die Welt - und sich mit anderen messen. Ganz extrem gesagt: Rollenspiel - und pvp.

Stratholme living...gerade haben wir uns durch die Basis des Scharlachroten Kreuzzugs in der brennenden Stadt bis zum Grosskreuzer Saiden Dathrohan geschlagen und ihn, den als Abt verkappten Dämonen Balnazzar, besiegt. Erschöpfung nach dem anstrengenden Kampf macht sich breit. Der Druidenbär trollt sich in eine Ecke des Saals. Gähnt, legt sich hin und schläft ein.
Die übrigen Mitstreiter benutzen ihren Ruhestein - zurück bleibt der Bär und der brummige, versoffene, fette alte Zwergenjäger. Der setzt sich - den Blick nach Aussen - in den Eingang zum Saal und grummelt: "Schläft einfach ein. Dummer alter Bär! Irgendwer muss doch auf den aufpassen!"

Und bleibt sitzen, während das Schnarchen des Bären durch die Stille des entvölkerten Klosters dröhnt.

9. August 2007

Moos auf Eure Wege

Viele Dinge im Spiel verändern sich im Laufe der Zeit. Aus ahnungslosen Mitspielern (Originalzitat aus den BlackROCKtiefen: "Was, mein blauer Balken zeigt an, ob ich noch mehr zaubern kann?") werden raidgekleidete DPS-Monster. Die alte Freundesliste bleibt komplett grau, und Namen tauchen auf, die man noch nie vorher gesehen hat. An den Titeln des alten Ehresystems kann man das ganz gut sehen - sie verschwinden immer mehr.

Zum Abschied gibts für Rollenspieler von Kyressar den Wunsch: "Moos auf Eure Wege". Manche Leute haben schon mit mir eine Instanz gemacht und erst beim Abschied gemerkt, dass wir schon miteinander zu tun hatten. Manche schreiben zurück (Gnomenmagierin: "Was? Bitte nur sauberen, festen Stein!". Meine Lieblingsschurkin: "Moos, Kies, nennt es wie ihr wollt, nur her damit!").

7. August 2007

Von Ironforge nach Eisenschmiede: 1337

Auf einem Rollenspielserver ist leetspeak albern. Und der Gipfel der Albernheit ist, wenn man im Teamspeak "lol" und "WeeBee" hören muss. Aber kuck mal was passiert, wenn ich leetspeak nicht spreche: keiner nimmt mich ernst. Und verstehen tut mich auch keiner.
1. Versuch: "Lass ihn ein bisschen auf mir rumkloppen, bevor du angreifst." Antwort: "Hä?" (Jäger/Magier/sonstigerDD hält beim nächsten Gegner wieder von Anfang an voll drauf).
2. Versuch: "Antanken lassen". Klappt.

Ja, ich bin Rollenspieler. Und nein, das merkst du nicht sofort, wenn du keiner bist.
1. Versuch: "Ich muss mich kurz ausruhen" /gähnen, /liegen, /schlafen . Ausloggen. Wieder einloggen. Alle Mitspieler ratlos.
2. Versuch: "kurz reloggen": alles klar, wenn ich wieder da bin kommt das unvermeidliche "WeeBee" (siehe oben).

leetspeak zeigt, dass man sich auskennt. Sprache als Herrschaftsinstrument. Aber Leetspeak ist auch das einzige, was die meisten verstehen. Ein Jammer.